Mein Partner: Von der Internetsucht über Aktiensucht bis zur Online-Sexsucht
Februar 2006, weiblich, anonymisiert
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Sehr geehrte Frau Farke,
ich möchte Ihnen auch meine Geschichte erzählen und evtl. kommt sie auch zu den Bekenntnissen.
Ich bin 29 Jahre alt, meinen Freund kenne ich nun seit etwas über 6 Monaten.
Am Anfang war alles super, ich glaube, weil ich da noch sein "Kick" war.
Er war aufmerksam, schrieb mir Zettel mit "Du bist meine Traumfrau", schickte mir Postkarten
nach Hause, schrieb mir hunderte von emails und SMS zur Arbeit.
Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wann das aufhörte, ich denke es war ein Prozess, der ihn
peu à peu wieder in seine alten Verhaltensweisen reinschlittern liess, je normaler die neue
Beziehung wurde. Zuerst habe ich die aktive Internetsucht, Aktiensucht und Online-Sex-Sucht nicht
bemerkt. Mittlerweile bin ich dort eingezogen, seit Dezember. Seit meinem Einzug ist die Situation
beinahe unerträglich geworden. Vielleicht gerade weil ich alle Dinge nun im Haushalt erledige, koche etc.
hat er immer mehr Zeit für das Netz.
Der Tag sieht folgendermassen aus:
Ich stehe auf und mein Freund fragt mich schon, nachdem er die Augen aufgemacht hat, ob ich im
"Vorbeigehen" den Computer einschalten könne. Schon mit der ersten Kaffeetasse setzt er sich vor das
Internet. Gemeinsame Mahlzeiten gibt es bei uns nicht. Dann fährt er zur Arbeit. Wenn ich nach Hause
komme, fange ich an zu kochen. Wenn das Essen fertig ist, nimmt er seinen Teller, legt sich aufs Bett
und schaltet direkt den Fernseher an. Wir essen nie am Tisch. Manchmal bleibt er auch direkt vor dem
Computer sitzen. Nach dem Essen setzt er sich direkt wieder zurück an den Rechner. Oft bin ich dann
in sein Arbeitszimmer gekommen, habe ihn umarmt oder versucht ihn zu küssen und er hat um sich geschlagen
und gesagt, dass er seine Ruhe haben will. Meistens bleibt er dann von 5 Uhr nachmittags bis 23 Uhr im Netz.
Ich bin machtlos dagegen. Wenn er ins Bett kommt will er mit mir schlafen.
Ich habe auf seinem Computer Dateien entdeckt, die seit ca. 2004 penibel geordnet sind nach Kategorien,
Bildern, Pornos...........ich habe anhand der Abspeicherdaten nachvollziehen können, dass er es täglich macht
und vor allen Dingen dann, wenn ich gerade das Haus verlassen habe und einkaufe.
Manchmal, wenn ich später von der Arbeit komme, steckt wieder der Schlüssel von innen, das ist auch so ein
Zeichen. Ich habe ihn darauf angesprochen und ihm auch gesagt, dass ich die Dinge auf dem Computer
gefunden habe. Ich wurde als Schnüfflerin und Eindringling in seine Privatsphäre dargestellt und er hat mir
gesagt, dass er das schon seit Jahren macht und ist super wütend geworden und ich habe mich auch noch
10000000000 Mal entschuldigt. Er hat mir erklärt, dass das normal ist, dass alle Männer das machen, weil sie
eben auf Reize reagieren. Wenn er dann mit mir schläft, denke ich, er stellt sich irgendeine der anderen Frauen vor.
Er ist auch nicht liebevoll, wenn der Akt vollzogen ist, springt er auf und setzt sich direkt wieder vor den Rechner.
Ich fühle mich dann so leer und benutzt.
Jetzt droht er mir seit ca. 2-3 Wochen mit dem Auszug, obwohl ich erst seit Dezember dort wohne, weil ich
ihm angeblich Stress mache und ihn abnerve. Dass aber meine Reaktionen aus seinem Verhalten resultieren,
ist ihm nicht klar und dass er sich mir gegenüber unmöglich verhält.
Ich würde so gerne an ihn herankommen, aber er ist ganz, ganz weit weg.
Wenn ich dann eine Depression habe oder weine oder ganz zurückhaltend bin, bemerkt er das schon in dem
Moment und sagt, ich solle mir doch nicht so viele Sorgen machen, er würde mich doch lieben.
Aber dass ich von dieser Liebe nichts spüre, sondern dass ich ihm einfach nur lästig bin, wenn ich ihn etwas
frage, oder ihn in den Arm nehmen möchte, weil er dann in seinem Internetwahn gestört wird, ist ihm nicht klar.
Manchmal denke ich, ich bin einfach nur Luft.
Alles Liebe an Euch alle und viel, viel Kraft, denn ich fühle mich so oft in Watte gepackt, bin voll Wut und
Verzweiflung, denke ich kann etwas ändern und weiss doch zu gut, dass ich machtlos bin und ich sehe eher
schwarz, dass sich etwas ändern wird.
Gruss