World of Warcraft: Dieses Spiel lässt Menschen aus der realen Welt in eine andere verschwinden
Februar 2006, weiblich, anonymisiert
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Unser Sohn (17, bald 18) spielt Tag für Tag World of Warcraft. Früher waren es andere Spiele mit nicht so großer Intensität, jedoch dieses Spiel fesselt ihn bereits über einen sehr langen Zeitraum.
Wie ich aus anderen Beiträgen herausfand, gibt es noch einige besorgte Angehörige, in deren Familien dieses Spiel bereits zu persönlichen Lebenskatastrophen geführt hat.
Er besucht ein Oberstufenzentrum für Datenverarbeitung in xyz, hat also auch schulisch/beruflich viel mit Computern zu tun, sein Praktikum leistet er auch in einer Firma, die PC-Netzwerke erstellt.
Kommt er dann nach Hause, sieht er es als Belohnung an, sich in sein (Dach-)zimmer ! zurückzuziehen und bis Mitternacht oder länger durchzuspielen.
Wären wir nicht als Eltern vor Ort, würde er das Essen vergessen, seine Umgebung vergessen, alles vergessen.
Ein Vorfall der letzten Zeit hat uns gezeigt, wie weit es bereits fortgeschritten ist.
Wir waren einige Tage allein im Ausland im Urlaub, gingen davon aus, dass sich ein 17jähriger allein diese kurze Zeit zurechtfindet, mussten jedoch dann zu unserem Entsetzen erfahren, dass er 3 Tage seines Praktikums in der Firma wegen angeblicher Übelkeit ausfallen ließ, ohne sich dort zu entschuldigen.
Wir kamen zurück und die ganze Wahrheit kam ans Licht, so dass wir ein Gespräch , mit dem Praktikumsbetrieb suchen mussten, um die Sache geradezubiegen.
Auch die schulischen Leistungen auf dem Februarzeugnis bezeugen das bevorstehende Ende, Status versetzungsgefährdet.
Dies hat uns jedoch den bereits eingetretenen Verfall und die Anhängigkeit nochmals sehr deutlich gemacht.
Würden wir nicht ein Auge auf ihn haben, ihn ständig betreuen und beobachten, wäre dies bereits der Zusammenbruch.
Auch lange Vorträge über die Wichtigkeit der Ausbildung, die Schädlichkeit des Internets usw. helfen nicht.
Er spielt sein Leben in der virtuellen Welt, vielleicht auch, weil er mit der realen nicht oder nicht mehr klarkommt, so dass dies eine Endlosschleife wird, je schlechter auch die schulischen Leistungen werden, um so weiter wird er sich ins Spiel zurückziehen.
Dieses Spiel scheint eine magische Anziehungskraft zu haben für viele, denn man kann dort seine Figur wählen, sie formen und sie ins virtuelle Leben schicken, um viele Dinge dort zu erleben. Und es befinden sich jede Menge andere virtuelle in diesem Leben, mit denen man sogar sprechen kann über Headset, man ist nicht allein, man lebt ein gemeinsames Leben und das ist das gefährliche daran.
Viele reale Freunde unseres Sohnes sind virtuell auch dabei, vielleicht charakterlich ähnlich gelagerte Menschen.
So kommt e s auch dazu, dass wir keine Freunde mehr körperlich bei uns im Haus sehen, da sie ja alle virtuell vereint sind, treffen braucht man sich dann nicht mehr.
Ich denke, es ist der Zeitpunkt gekommen, da wir eine Therapie anstreben müssen, da der kalte Entzug des Computers nichts bewirken wird, außer dass es vielleicht die neue Entdeckung des Internetcafes gibt.
Wir wissen nicht, wie unser Sohn dorthin gekommen ist, wo er jetzt so tief ist, aber mit Sicherheit gibt es Mitschuldigkeiten unsererseits. Es geht ja auch um Ursachenbekämpfung, nicht um Schuldzuweisung.
Im Laufe seiner Erziehung /seines Lebens haben wir viele schöne Dinge mit ihm gemeinsam getan, d.h. wir haben ihm die reale Welt durch Bildungsreisen, Funreisen, Museum, Theater, Kino, Spaziergänge, Radtouren, Bücher gezeigt. Bis vor kurzem war er auch noch in einem Karateverein, das hat er über viele Jahre betrieben.
Ich bitte Sie, mir mitzuteilen, wie man eine Therapie beginnt und was wir weiter tun können. Es sollte nur schnell passieren.
Mit freundlichen Grüßen
xxx