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World of Warcraft: Mein Freund ist von WOW abhängig!

Februar 2006, männlich, anonymisiert

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Sehr geehrte Frau Gabriele Farke,

OnlineSucht.de beschäftigt sich mit vielerlei Themen, die die Sucht nach unterschiedlichsten Online-Aktivitäten betreffen, selbst beschäftige ich mich mich mit der Sucht nach Online-Rollenspiele. Selbst betroffen bin ich zum Glück nicht. Ich recherchiere zu dem Thema nun schon einige Zeit, ausgelöst wurde mein Interesse durch das plötzliche Verhalten eines Freundes, das ich mir zuerst nicht ganz erklären konnte, aber dann doch feststellen musste, dass er nicht nur lieber World of Warcraft spielt, anstatt seine Freunde zu sehen, sondern dass er wirklich süchtig danach geworden war, sich sein ganzes Leben einzig um dieses Spiel drehte.

Ich bin 25 Jahre alt, und selbst als "Cyber-Kid" aufgewachsen, Computer waren für mich faszinierend, und gaben mir neben dem Spielen, auch die Möglichkeit, sehr komplexe Dinge zu lernen. Assembler Programmierung lernte ich mit 13 Jahren. Erst später mit 17 traf ich auf Lessing, der mich in die Abgründe der Literatur hineinriss, ebenso veränderte mein Kunst LK meine Interessen. Heute studiere ich. Auf was ich hinaus will, ich bin in diesem Sinne ein Kind der zwei Welten, ich kenne mich auch heute noch mit PCs besser aus als manche, die nicht mehr von ihrem PC lassen können, ich spiele selbst gerne noch, wenn auch nicht mehr so extrem, wie als Teenager. Sogar Online-Rollenspiele spiele ich selbst gerne, aber es ist bei mir eine weniger bedeutende Freizeitbeschäftigung. Mir ermöglichen diese Erfahrungen jedoch die Gefahren, die von Online-Rollenspielen ausgehen, weit besser einzuschätzen, als es manchen Außenstehenden möglich ist.

Mein Freund hat sich von seiner Freundin auseinandergelebt und sie sind inzwischen getrennt, weil er zu sehr in WOW vertieft war, sie hat die Sucht Ihres Freundes nicht einmal bemerkt. Er hat seinen Job verloren, und ich will nicht wissen, was noch alles auf ihn zukommen wird, wenn er nicht einen Schlussstrich ziehen kann.

Die Öffentlichkeit kennt leider die Sucht nach Onlinerollenspiele nicht in der Bedeutung, wie ich sie einschätze. Ich halte sie für eine REALE nicht-stoffgebundene Sucht, die Öffentlichkeit hält sie zum großen Teil für ein Macke.

Ich konnte meinen Freund annähernd davon überzeugen, dass es eine Sucht ist, dass das Spiel ihn unter Kontrolle hat und er dies nicht nur macht, weil es so unglaublich viel Spaß daran hat. Dennoch leugnet er es dann oft doch wieder. Viel Einfluss kann ich nicht nehmen, da ich ihn fast nicht mehr sehe. Er spielt oft 16 Stunden am Tag und das jeden Tag in der Woche.

Ich selbst habe schon verschiedene Medien darauf versucht aufmerksam zu machen, aber der Erfolg ist leider bei Null, der letzte Spiegel schreibt von der Online-Rollenspielsucht in Korea, als wäre in Deutschland noch die heile Welt, der letzte Stern schreibt von den Helden in Onlinespielen. In einem Interview mit diesen "Helden", das nur online bei Stern zu finden ist, wird die Sucht von einem Interviewpartner nicht als real bewertet.

Ihnen möchte ich für Ihre Arbeit danken, denn es gibt wenige Plattformen im Internet, vor allem deutsche, die sich mit der Online-Sucht beschäftigen und leider fast nichts über die Sucht nach Online-Rollenspielen und Ihre Website hat auch dazu beigetragen, dass ich meinen Freund ein Stückchen mehr zu der Selbsteinschätzung bringen konnte, dass er wirklich süchtig ist.

Mit freundlichen Grüßen, xxx


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