Er ist sexsüchtig, ich bin co-abhängig …
26.09.2005, weiblich, anonymisiert
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Liebe Frau Farke,
die Bekenntnisse auf Ihrer Homepage haben mich wieder so aufgewühlt, dass ich beschlossen habe, Ihnen und den Besuchern Ihrer sehr informativen und zugleich sehr emotionalen Homepage auch meine Erfahrungen aus dem Zusammenleben mit einem Betroffenen mitzuteilen …
Es tut so gut zu wissen, dass man mit diesem Problem nicht allein ist, auch wenn es ein absolutes Drama ist, welches Ausmaß diese Sucht bereits angenommen hat und ich mir so sehr wünschen würde, dass es nicht so viele Betroffene gäbe! Mich als Angehörige eines Sexsüchtigen, der sowohl im Internet als auch per Telefon aktiv war, hat das alles psychisch und physisch so fertig gemacht, dass ich derzeit nicht glauben kann, jemals wirklich ganz damit abschließen zu können aber inzwischen akzeptiert habe, dass mein "Loslassen" die einzige Chance für uns beide ist.
Durch meine nachfolgende ausführliche Schilderung des Beziehungsverlaufes möchte ich die Partner von Betroffenen dazu ermutigen, um die Beziehung zu kämpfen (ich selbst habe dabei leider viele Fehler gemacht, die zum Scheitern beigetragen haben), andererseits aber auch veranschaulichen, dass der Suchtkranke, der i.d.R. ein ganz liebenswerter, wertvoller Mensch ist, sich letztendlich nur selbst helfen kann.
Meinen Freund hatte ich vor vier Jahre bei der Arbeit kennen gelernt. Er arbeitete in der Zentrale, ich in einer ca. 200 km entfernten Niederlassung. Bereits nach der ersten Begegnung in der Zentrale war ich komplett fasziniert von ihm. Er war ein gut aussehender, sportlicher, unglaublich sympathischer Typ, der dabei kein Aufschneider zu sein schien, sondern fast schon ein bisschen schüchtern und in dessen Gegenwart ich mich sofort wohl fühlte. Bereits am nächsten Morgen hatte ich eine Mail von ihm auf meinem Rechner, da auch ich ihm wohl recht sympathisch war. Wir sahen uns daraufhin 1,5 Jahre lang nur sehr selten, schrieben uns aber regelmäßig und ich verliebte mich immer mehr in ihn, wusste aber, dass er seit 11 Jahren eine feste Beziehung hatte, in der er mal mehr und mal weniger glücklich zu sein schien und rechnete mir keinerlei Chancen aus, dass wir jemals zusammen kommen würden. Vom ersten Tag an hatte ich jedoch jede Mail von ihm ausgedruckt und unsere Konversation umfasste bereits einen ganzen Ordner… Da ich manchmal kaum mehr wusste, wie er eigentlich aussah, hatte ich mich ausschließlich in seinen Charakter verliebt, den er in seinen Mails zum Ausdruck brachten, dachte aber, es würde immer bei meiner Schwärmerei bleiben …
Eines Tages trafen wir uns dann erstmalig privat an einem Wochenende auf einer Sportveranstaltung ganz in meiner Nähe. Daraufhin war es um uns beide endgültig geschehen. Binnen 3 Wochen trennte er sich von seiner langjährigen Freundin, zog zunächst wieder bei seiner Mutter ein und wir begannen eine wunderbare Fernbeziehung, die ich für mich als die glücklichste Zeit meines bisherigen Lebens bezeichnen kann. Ich bekam die schönsten Liebesbriefe, Mails und SMS von ihm. Er übertraf sich selbst in "Niedlichkeiten" und Überraschungen und ich war überglücklich und dankbar für diese wundervolle Beziehung, die meiner Meinung nach nur sehr wenige erleben durften.
Ich selbst wohnte zum damaligen Zeitpunkt in einer norddeutschen Großstadt, so dass wir die Wochenenden meist dort verbrachten. Nie zuvor hatte ich jemand mit solch einer Begeisterungsfähigkeit kennen gelernt. Natur, Kultur, Nachtleben - wir schienen das perfekte Paar zu sein, das sich für alles gleichermaßen begeistern konnte.
Mein Wunsch, mit ihm fest zusammen zu leben wurde immer größer und ich bedrängte ihn immer mehr, sich doch nach einem Job in meiner Nähe umzusehen, da die Zentrale in einer Kleinstadt mit schlechter Infrastruktur lag und ich dort aus meiner Sicht nur schlechte Chancen auf einen Job hatte. Bei der Arbeit hatten wir inzwischen "mit offenen Karten" gespielt und auch damit gerechnet, dass die Beziehung evtl. nicht toleriert werden würde und sich einer von uns sowieso einen neuen Job suchen müsste. Doch genau das Gegenteil war der Fall: Nach ein paar Wochen bekam ich das erste Jobangebot aus der Zentrale, da mein Bereich mittelfristig zentralisiert werden sollte. Ich bat um etwas Bedenkzeit, da ich mir eigentlich gewünscht hatte, dass mein Freund zu mir in die Großstadt ziehen würde.
Die darauf folgende Zeit wurde unsere Beziehung auf eine erste harte Probe gestellt, da der schwerkranke Vater meines Freundes nach langer Leidenszeit und Tagen, die wir am Krankenbett verbracht hatten, an Heiligabend verstarb. Während ich dachte, dass uns diese Zeit nur noch enger zusammengeschweißt hat, gab es in den folgenden Wochen häufiger wegen Kleinigkeiten Streit, die meist darin endeten, dass mein Freund komplett "dicht machte", sich zurückzog, sich tagelang nicht meldete und auch nicht erreichbar war und jeder Diskussion aus dem Weg ging. Schließlich beendete er die Beziehung per Telefon, da er für uns angeblich keine Chance sah und die Fernbeziehung zudem zu sehr ins Geld ginge. Ich war fassungslos, wollte das alles nicht wahr haben, bettelte, er möge sich noch mal mit mir treffen um über alles zu reden und konnte ihn schließlich von einer Fortsetzung der Beziehung überzeugen. Der "Knacks", den die Beziehung bekommen hat, war jedoch nie wieder zu kitten, sondern der Anfang vom Ende…
Als ich nach ein paar Wochen wieder auf einen Wechsel in die Zentrale angesprochen wurde, nahm ich in Absprache mit ihm das Angebot an, um uns endlich eine Perspektive bieten zu können. Daraufhin jagte ein Ereignis das andere und ich schildere daher alles auch nur in einem "Zeitraffer". Nach einer erneuten Meinungsverschiedenheit (ich durfte an nichts mehr auch nur die leiseste Kritik üben), erfuhr ich, dass sich mein Freund nach fast einem Jahr im Haus seiner Mutter und dem Wissen, dass ich bald zu ihm ziehen würde, ein möbliertes Einzimmer-Appartement gemietet hatte, da er seine eigenen vier Wände brauche. Ich war mal wieder fassungslos! Wo war ich in seiner Planung? - Schließlich endete unsere erneute Diskussion mit seinem Vorschlag, dass ich mir eine eigene Wohnung in der Nähe nehmen sollte, da diese Situation trotz des Nicht-Zusammenlebens immerhin besser sei als die Fernbeziehung… Ich war fix und fertig, wollte alles rückgängig machen und Umzug und Jobwechsel stoppen, hatte aber keine Chance mehr dazu. Zu diesem Zeitpunkt fing ich bereits an, mich häufiger abends zu betrinken, nahm in 3 Wochen 6 Kilo ab und war nervlich am Ende. Diese ganze rapide Negativ-Entwicklung unserer Beziehung konnte ich mir nicht erklären und suchte die Fehler ausschließlich bei mir.
Aber es kam schließlich wieder alles anders als erwartet: Kaum war meine neue Wohnung fertig, mit Liebe zum Detail renoviert und eingerichtet, wollte mein Freund nun doch mit einziehen. Ich war überglücklich! Wir hatten zwar nur 2 Zimmer, aber da er sowieso keine eigenen Möbel besaß, war das kein Problem. Die darauf folgenden 3 Monate führten wir - obwohl ich im neuen Job alles andere als glücklich war - aus meiner Sicht eine traumhafte Beziehung. Alles machten wir zusammen. Wir fuhren zusammen zur Arbeit, verbrachten gemeinsam die Mittagspause, gingen gemeinsam zum Sport und waren für viele DAS unzertrennliche Traumpaar.
Lediglich ein Aspekt irritierte mich teilweise: die von Anfang an angespannte finanzielle Situation meines Freundes, der mir zu Anfang der Beziehung mitteilte, er habe seiner Ex-Freundin noch einige Tausend Euro für ein gemeinsam gekauftes und für seinen jetzigen Wagen in Zahlung gegebenes Auto geben müssen, schien sich im Laufe des letzten Jahres trotz des mietfreien Wohnens bei seiner Mutter nicht verbessert, sondern verschlimmert zu haben. Für nichts war Geld da! Irgendwie verdrängte ich diesen Aspekt jedoch, indem ich mir immer wieder selbst Erklärungen lieferte …
und eines Tages erfuhr ich dann von einer Bekannten meines Freundes, der er sich vor Jahren einmal anvertraut hatte, was wirklich hinter seiner Geldnot steckte: er habe in der Vergangenheit viel Geld für Telefonsex ausgegeben, sei jetzt aber clean! … Als ich das erfuhr, war ich einer Ohnmacht nahe. Mir zog es den Boden unter den Füßen weg. Ich wollte es nicht wahr haben und doch wusste ich insgeheim, dass es stimmte. Viele Dinge, auf die ich mir in der Vergangenheit keinen Reim machen konnte und wollte, fügten sich plötzlich wie ein Puzzle zusammen. Umgehend sprach ich ihn darauf an und äußerlich ganz ruhig und gefasst meinte er, nun sei es ja wohl raus … Zunächst war ich auch noch gefasst oder besser gesagt stand ich unter Schock, stellte unendlich viele Fragen, auf die er aber nur ausweichend antwortete und schließlich brach alles aus mir raus: ich schrie und tobte und beschimpfte ihn und war nur noch völlig außer mir, bis er plötzlich wortlos ein paar Sachen zusammenpackte und ging.
Die plötzliche Leere war unerträglich! Ich zitterte am ganzen Körper und hatte selbst nur noch den Wunsch, mich zu betäuben. An einer Imbissbude kaufte ich mir tränenüberströmt und völlig aufgelöst ein paar Dosen Bier und zuhause angekommen, wollte ich mich eigentlich zunächst nur noch betrinken. Doch auch der Alkohol konnte meinen Schmerz und meinen Schock nicht betäuben. Plötzlich folgte ich einer Eingebung und machte mich daran, seine persönlichen Unterlagen durchzuwühlen. Es war ein Alptraum! Nach keinen 5 Minuten fand ich alte Telefonrechnungen und Kontoauszüge und musste mich erstmal übergeben. Handyrechnungen von bis zu 1.200 EUR monatlich und Überweisungen von bis zu 400 EUR für Online-Dienste fielen mir in die Hände. Die ersten 9 Monate unserer Beziehung ließen sich lückenlos nachvollziehen und ich kam auf knapp 6.000 EUR für diese Dinge. Besonders schlimm fand ich auch die Uhrzeiten auf seinen Telefonrechnungen, zu denen er die Nummern gewählt hatte. Das war während der Zeit unserer Fernbeziehung z.B. direkt im Anschluss an unser allabendliches Gute-Nacht-Telefonat und zur Zeit, in der wir zusammen wohnten, z.B. an Abenden, an denen er vor mir Feierabend machen wollte, um schon mal was Leckeres zu kochen. Er muss wirklich jede Sekunde des Alleinseins dazu genutzt haben, da ansonsten niemals diese Summen hätten auflaufen können…
Die Nacht über tat ich kein Auge zu und war mir sicher, es mit einem Perversen zu tun zu haben. Ich war bald ohnmächtig vor Schmerz, Angst und Verzweiflung, rief mitten in der Nacht bei meinen Eltern an und wir beschlossen, dass ich am nächsten Morgen das Türschloss auswechseln lasse. Das tat ich auch und ging dann - noch immer halb in Trance - zur Arbeit. Als ich sein Auto vor der Firma stehen sah, war ich trotz allem erleichtert, da ich insgeheim Sorge hatte, dass er sich etwas angetan haben könnte. Ich weiß nicht mehr, wie ich die nächsten beiden Tage überstanden habe. Als er nach zwei Tagen seine Sachen holen und wieder bei seiner Mutter einziehen wollte, konnten wir wider Erwarten ein vernünftiges Gespräch führen, in dem er zugab, dass seine Sucht bereits seit 6 Jahren besteht, er immer wieder versucht habe aufzuhören und er nach eigener grober Einschätzung insgesamt bereits ca. 30.000 EUR für Telefonsex und Online-Dienste ausgegeben habe. Er war selbst so verzweifelt über sich und auch bereit in Therapie zu gehen, dass wir uns tränenüberströmt und schluchzend in den Armen lagen und uns fest vornahmen, gemeinsam gegen seine Sucht zu kämpfen.
Die nächsten 4 Monate, die wir noch zusammen wohnten, gab es in ca. 14 tägigen Abständen nur noch Szenen und Dramen. Ich versuchte, alles aus dem Internet an Informationen zu diesem Thema zusammen zu tragen, bestellte Bücher über Sexsucht und suchte nach Erklärungen und jedem Stohhalm zur Heilung. Dabei stellte ich Fragen über Fragen, stellte Theorien auf und verlor mich selbst bald in der Recherche zu diesem Thema. Die Reaktion meines Freundes war völlig unterschiedlich. Mal war er bereit dazu, auf alles zu antworten und wollte sich selbst in Foren zu Wort melden, mal durfte ich das Thema nicht einmal ansprechen, ohne dass es zur Eskalation kam. Eine neue Kehrtwende bekam die Situation, als ich bei meinen Recherchen auf das Thema Co-Abhängigkeit stieß und mich in jeder Facette erkannte. Da ich ganz anders gestrickt bin als mein Freund und immer über alles sprechen muss, um Dinge verarbeiten zu können, outete ich mich Abende lang und berichtete ihm von meinen Erkenntnissen über meine eigene Situation.
In Kombination mit seiner Therapie, die er seit einigen Wochen machte, war ich nun plötzlich immer häufiger die Schuldige an der Situation und diejenige, die mindestens genauso schwerwiegende Probleme hat wie er selbst. Sein Therapeut meinte wohl auch, er brauche sich mir gegenüber, die ja für die Beziehung alles aufgegeben hat, nicht schuldig fühlen, da ich eine erwachsene Person sei, für die man keine Verantwortung übernehmen müsse, da sie für sich selbst Verantwortung tragen muss. Auch war sich sein Doc wohl gar nicht so sicher, ob es sich wirklich um eine Sucht oder vielleicht auch nur um einen Zwang oder ein Fehlverhalten handle. Sein neues Wissen über meine Co-Abhängigkeit führte bei meinem Freund zudem dazu, dass er panische Angst vor meiner vermeintlichen Kontrolle hatte und mir permanent Manipulation usw. vorwarf.
Ich war völlig hilflos! Warum konnten wir unser Wissen um die Probleme des anderen nicht konstruktiv einsetzen und mussten uns damit nur gegenseitig Vorwürfe machen und weh tun? An seinem Geburtstag schließlich beschloss er, sich eine eigene Wohnung zu suchen und die Beziehung ein für allemal zu beenden.
Wieder war ich wie in Trance, hatte totale Verlustangst und stellte zudem schmerzlich fest, wie allein ich in meiner neuen Umgebung war. Die erste Zeit hatten wir nur zusammen verbracht. Dann drehte sich alles nur um unsere Krankheiten und v. a. konnte man ja mit niemand aus dem privaten Umfeld, das auch nur noch fassungs- und verständnislos auf unser nicht nachvollziehbares Hin und Her reagierte, ehrlich sprechen. Vor Einsamkeit wurden wir beide fast verrückt, was dazu führte, dass wir erneut in ca. 14tägigen Abständen trotz getrennter Wohnungen immer wieder Versuche unternahmen, an die alte tolle Zeit der Beziehung anzuknüpfen und genauso regelmäßig scheiterten.
Meine Unzufriedenheit im Job, das fehlende soziale Umfeld in meiner neuen Umgebung und die Situation mit meinem Freund machten mich so mürbe, dass ich teilweise nicht mehr in der Lage war, auch nur irgendetwas an meinem Leben in andere Bahnen zu lenken. Ich ergab mich nur noch meinem Schicksal, baute nach außen eine ziemlich starke Fassade auf und brach jeden Abend zuhause in mir zusammen. Im tiefsten Innern hoffte ich auf einen Herzinfarkt, Autounfall oder irgend ein anderes äußeres Ereignis, das mich aus dieser Situation befreit, mein Ende bedeutet oder mir einen neuen Weg weist, doch bis heute ist in dieser Hinsicht nichts passiert.
Ich habe mich inzwischen ein paar Freunden in aller Ausführlichkeit anvertraut und erlebe erstmalig in meinem Leben bewusst, wie wichtig und existenziell Freundschaften sind. Diese hatte ich in meinen Beziehungen bislang immer stark vernachlässigt. Auch der Besuch einer SANON Selbsthilfegruppe hat mir sehr geholfen. Insgesamt war ich leider nur 3mal da, da die Gruppe 200 km von meinem derzeitigen Wohnort entfernt ist, aber viele Dinge, die ich in den 3 Meetings von anderen Betroffenen erfahren habe, helfen mir, meinen inzwischen vollzogenen konsequenten Kontaktabbruch zu meinem Ex-Freund, auch wirklich durchzuziehen, mit dem Wissen, dass es für uns beide das Beste ist. Parallel bin ich in regelmäßigen Sitzungen bei einem Therapeuten, der mir durch das Frauenhaus empfohlen wurde und mir extrem den Rücken stärkt. Seit einigen Wochen schreibe ich zudem fleißig Bewerbungen und hoffe, mich auch bald räumlich von allem trennen zu können.
Wie es meinem Ex-Freund geht, kann ich nur schwer einschätzen. Einmal hatten wir nach unserer letzten Trennung noch nach Feierabend ein privates Gespräch geführt, bei dem wieder ich die Schuldige an allem zu sein schien, er jedoch insgesamt sehr gefestigt wirkte. Ich hatte damals fast das Gefühl, dass er es wirklich geschafft haben könnte und malte mir aus, wie er demnächst mit einer anderen das Leben führen würde, was ich so gerne mit ihm geführt hätte. In den Folgewochen hatten wir nicht mehr miteinander gesprochen, aber sein Verhalten und sein Äußeres lassen das Schlimmste vermuten. Er scheint weiter abzunehmen, ist blass und wirkt einfach nur krank und allen gegenüber total verschlossen. Ich vermute daher, dass er wieder mitten in seiner Sucht steckt oder aber gerade wirklich seine Vergangenheit verarbeitet und ohne emotionales "Ventil" daran zerbricht.
Mir selbst zerreißt jede Begegnung fast das Herz. Scheint es ihm gut zu gehen, freut mich das natürlich grundsätzlich, aber ich hege auch einen immensen Hass auf die Tatsache, dass ich die schlimmste Phase versucht habe, mit ihm durchzustehen und eine andere vielleicht irgendwann "die Früchte ernten" wird. Geht es ihm schlecht, muss ich mich regelrecht dazu zwingen, nicht wieder meine Hilfe anzubieten und werde emotional wieder in meine Co-Abhängigkeit zurück geworfen. Aber ich weiß: ich habe alles was in meiner Macht stand getan und helfen kann sich mein Ex-Freund jetzt nur noch selbst! Ich muss mich nun auf mich selbst zu besinnen, das Erlebte verarbeiten und einen neuen Weg in ein neues gesundes Leben finden …
Dabei hilft wohl wirklich nur ein hoffentlich baldiger Job- und Umgebungswechsel, ein verständnisvoller Freundeskreis und bestimmt noch viele, viele Therapiesitzungen und ein Erfahrungsaustausch mit anderen Angehörigen, die sich gerne unter Dublin@gmx.de bei mir melden können.
Denkt immer daran: Ihr seid nicht allein!!!
(weiblich, Mitte 30)