Mein Mann (43) ist WOW-suechtig, ich trenne mich jetzt!
März 2006, weiblich, anonymisiert
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Sehr geehrte Frau Farke,
seit einiger Zeit schon lese ich mit interesse ihr Forum, da auch Mein Mann
(43) seit einem jahr WOW süchtig ist. Er hat jeden Realitätsbezug verloren. Da
er bis tief in die Nacht spielt, schläft er oft abends vor dem Computer,
wechselt dann natürlich seine Kleider nicht und wäscht sich trotzdem höchstens
einmal in der Woche. Außerdem belügt er mich - nicht nur im Zusammenhang mit
dem Spiel - häufig.
Unsere Kinder (5 und 6 Jahre) bringt er zwar noch zur
Schule, bzw. in den Kindergarten, aber darüberhinaus ist er mir kaum eine
Hilfe. Da ich selbst berufstätig bin und beruflich wesentlich mehr eingespannt
bin als er, wäre ich auf seine Unterstützung angewiesen, aber die zeigt sich
nur in Versprechen, die in den seltensten Fällen eingehalten werden - ebenso
wie das Versprechen , mit dem Spiel aufzuhören. Er selbst hält sich nämlich
nicht für süchtig, obwohl er außerhalb des Spiels keine sozialen Kontakte mehr
hat.
Ich habe ihm nun eine Frist gesetzt, das Spiel aus dem PC zu löschen. Er
aber hat diese Frist natürlich nicht eingehalten. Daher werden wir uns jetzt
wohl trennen müssen. Ich denke, dass dieser Schritt für mich auf der einen
Seite eine ungeheure Erleichterung sein wird, auf der anderen Seite kann ich es
nicht glauben, dass mein Mann noch die Antriebskraft aufbringen wird, aus
unserer gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Ich persönlich möchte nämlich nicht
diese Wohnung verlassen, da ich meiner frisch eingeschulten Tochter nicht ihre
sozialen Kontakte nehmen möchte.
Sie haben auf ihrer Seite einige gute Ratschläge gegeben, wie man mit Menschen
umgehen soll, die onlinesüchtig sind, aber in einer Familie mit 2 kleinen
Kindern sind gewisse Verhaltensweisen einfach unmöglich. Wenn mein Mann den
ganzen Tag spielt, anstatt im Haushalt zu helfen oder sich mit den Kindern zu
beschäftigen, muss ich eben diese Aufgaben übernehmen und muss dann abends oder
nachts noch für meinen Beruf arbeiten. Für mich bleibt da keine Zeit mehr. Wie
gerne würde ich auch einmal etwas für mich tun, aber das ist eben sehr selten
möglich, da mein Mann sich unbegrenzte Auszeiten nimmt und nur Hin und Wieder -
wenn er ein schlechtes Gewissen hat - etwas Engagement zeigt. Ich kann dann
auch nicht mehr ruhig oder freundlich auf sein Verhalten ragieren. Die
Frustration, die sich im Laufe eines Tages und mittlerweile schon eines Jahres
ansammelt ist einfach viel zu groß.
Ich fühle mich einfach total ohnmächtig und
reagiere nur noch mit Aggression oder Tränen. Es ist für mich nicht
begreiflich, dass ein erwachsener Mann sein Leben dermaßen von einem solchen
Spiel beherrschen lässt und seine Verantwortung, die er zumindest seinen
Kindern schuldet, einfach außer Acht lässt. Es ist mir auch nicht klar, wie man
einen solchen Menschen überhaupt noch erreichen kann. Ich war mit ihm sogar in
einer Eheberatung. Als der Psychologe ihm empfohlen hatte, doch einmal einen
Monat mit diesem Spiel zu pausieren, behauptete mein Mann ich hätte ihn auf
meine Seite gezogen und spielte weiter...
Ich glaube aber nicht, dass ich diesem Spiel irgendeine Schuld geben kann,
sondern nur meinem Mann, der sich vor einem Jahr an diesen Computer gesetzt
hat, begonnen hat zu spielen und nicht mehr aufhört. Es sind im übrigen - wie
mein Mann selbst behauptet - mehrere "ältere Männer" mit Kindern , die dieses
Spiel spielen. Aber offensichtlich scheine ich die einzige Ehefrau zu sein, die
ein Problem damit hat, oder?
Viele Grüße
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