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Ich bin Onlinesexsüchtig, bitte helfen Sie mir

März 2006, maennlich, anonymisiert

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Sehr geehrte Frau Farke,

angefangen hat bei mir alles mit 18, wo ich mein erstes Handy mit Wap Funktion bekam. Jetzt bin ich 23 Jahre und die Sucht hat ein extremes Ausmaß, angenommen.

Am Anfang meiner Sucht stiegen meine Handyrechnungen durch übermäßigen Internetzugang auf sehr hohe Dimensionen. Nach ca. einem Jahr reichte mir das Internet als Medium nicht mehr aus, so dass ich warum auch immer, regelmäßig Erotikhotlines anrief, wo ich aber (eigentlich nur) Gespräche suchte - ohne jegliche sexuelle Erregung. Somit erzielte ich damals locker eine Handyrechnung von sage und schreibe 3000 DM.

Im xxxxxx heiratete ich meine jetzige Ex-Frau ziemlich schnell nach einem Jahr. Ab diesem Tag ging es bergab mit mir. Durch immer mehr Unzufriedenheit im Eheleben wurden meine WAP-Aktivitäten immer extremer, so dass meine Handyrechnungen wieder aufs Unermessliche stiegen (ca.400-600€/Monat). Auch wurde ich zuhause in jeder freien Minute immer internetaktiver. So meldete ich mich auf den verschiedensten Internetseiten an nur um zu shatten, ich musste Monatsbeiträge von ca. 350 Euro bezahlen.

Im xxxxx verstarb ein mir sehr nahestehender Mensch, er war noch jung, das ging mir sehr nahe. Ca.zwei Wochen später bekam ich Angst und Panikattacken. Ab diesem Zeitpunkt zog ich mich immer mehr in die virtuelle Welt zurück, da ich bemerkte, dass meine Ängste und Schmerzen im Herzbereich während dieser Zeit völlig verschwanden.

Dann wurde ich mit Depressionen und Angst- und Panikattacken in die Psychiatrie eingeliefert. Ich wollte nichts mehr essen und trinken und hatte das Bett auch seit zwei Wochen nicht mehr verlassen. Ich erzählte den Ärzten und Therapeuten meine Ängste und Sorgen und wurde nach 8 Wochen eigentlich stabil entlassen. Einige Tage später machte ich extreme Rückschritte und wurde in einem schlimmeren Zustand als vorher versetzt, so dass ich meinen Geburtstag im Bett mit Depressionen verbrachte.

Von meiner Frau, Schwiegereltern und Eltern durfte ich mir nur anhören, damit das alles nicht so schlimm sei und ich meinen inneren Schweinehund überwinden müsse. Ich stieß auf völlige Desinteresse und so suchte ich mir meine Hilfe im Internet, denn wenn ich Online war, waren meine Ängste und Depressionen wie weggeblasen. Sobald ich Offline war, ging es mir in Sekundenschnelle wieder schlecht.Wieder wurde ich in die Psychiatrie eingewiesen. Nach 3 Tagen Aufenthalt bekam ich einen Brief von einem Rechtsanwalt mit den Scheidungsunterlagen meiner Frau, da sie hinter meine Internetaktivitäten gekommen war. Mein Therapeut wusste natürlich alles vor mir und stufte mich sofort als internmetsüchtig ein.

Dann trat ich eine Entwöhnungstherapie in einer Klinik für Spiel- und Alkoholsüchtige in xxx an. In den vier Monaten besserten sich zwar meine Angst- und Panikattacken, die jetzt auch völlig verschwunden sind, doch meine Sucht wurde dadurch verschlimmert. In der Therapiezeit ging ich mit Automatenspielern öfters in eine Spielothek und bediente dort die Automaten. Dies gab mir aber keine Befriedigung und nach einigen Versuchen sah ich keinen Sinn mehr darin. So kam es zustande, dass ich es schaffte, während der Therapie eine Handyrechnung von 3500 Euro herzuzaubern.

Während der Therapie lernte ich meine jetzige Freundin kennen, die aber auch schon wieder beim Ausziehen ist. Ich Chatte wieder (auch unter anderem Geschlecht mit Männern oder als Mann, der einen Mann sucht, wobei ich mit Männern real nichts anfangen kann), ich greife wieder zum Telefon, wo meine Handyrechnungen schon wieder auf bis zu 1500 Euro gestiegen sind.

Inzwischen habe ich nicht mal mehr Geld zum Leben, ich kann meine Miete seit drei Monaten nicht mehr bezahlen und viele Rechnungen kann ich nicht mehr bezahlen. Inzwischen wissen meine Eltern davon, dass sich nichts gebessert hat, diese informierten sofort meinen Chef. Ich bin Zeitsoldat und im Bundeswehrkrankenhaus wurde mir sofort gesagt, wenn es nochmal vorkommt, werde ich meine Arbeit verlieren, deswegen verheimlichte ich das alles.

Ich habe jetzt zu hundert Prozent eingesehen, dass ich süchtig bin. Bitte helfen Sie mir, was kann Ich dagegen tun?

Ps.: Gibt es Selbsthilfegruppen in meiner Nähe?

MfG und vielen Dank im voraus

xxx


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