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Mein Sohn verwahrlost total

April 2006, weiblich, anonymisiert

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Sehr geehrte Frau Farke,

über die Seite Onlinesucht.de bin ich auf Ihren Namen gestoßen. Es hat mich sehr erschrocken, wie viele Leute doch die gleichen Probleme zu haben scheinen wie ich sie habe. Mein Sohn, um den es hier geht, wird im Mai 17. Er ist jetzt seit gut einem Jahr doch mehr als abgedriftet.

Es fing im Frühjahr 2005 an damit, dass er ein Mädel geschwängert hat, da war er 15!!!!!!!!!!!!!! Das ging aber noch gut, da das Mädel sich für eine Abtreibung entschieden hat. Nach diesem Erlebnis ging es aber steil bergab mit ihm, er ging fortan nur noch sporadisch zur Schule und ist vom 2. Halbjahr an mehr als über die Hälfte, sprich 3 Monate, nicht in der Schule gewesen. Anfangs hatte ich den Eindruck, es würde an dem Erlebnis mit dem Mädel liegen, aber schon bald merkte ich, dass er sehr aktiv in dem Spiel Counter Strike ist sowie ständig ICQ - Chatten betreibt zum Teil ist der ganze untere Teil seines Laptops mit blinkenden Lämpchen belegt, d.h. er chattet zum Teil mit relativ vielen Personen gleichzeitig.

Nach kurzer Zeit erhielt ich vom Schulamt eine Aufforderung, für die versäumte Zeit Strafgeld zahlen zu müssen, diese Briefe habe ich leider aber auch erst im Nachhinein erhalten, da er dann auch anfing, meine Post zu unterschlagen. Im Sommer letzten Jahres musste er dann die Realschue mit einem Abgangszeugnis verlassen. Er wechselte dann zur Hauptschule, aber das Problem nicht zur Schule zu gehen ließ nicht nach.

Da er nachts im Durchschnitt bis morgens früh um 04.00 Uhr am Laptop sitzt, kann er es natürlich nicht schaffen, sich für die Schule aufzuraffen. Er geht auch nicht mehr zum Fußballtraining, geschweige denn zu eigenen Spielen (früher war er der erste auf dem Platz und der letzte der ihn verlassen hat.....!!!!!) Vernachlässigt auch Freundschaften, weil er nur noch vorm Computer sitzt, er geht lediglich noch freitags und samstags vor die Tür, um sich voll laufen zu lassen!!!!!

Darüber hinaus verwahrlost er aber total, er schafft es z.B. absolut nicht mehr, sich die Zähne zu putzen, sich zu waschen. In seinem Zimmer liegt der ganze Boden voll dreckiger Wäsche, im Schrank versteckt er vergammelte Nahrungsreste, zum Teil Klammotten mit Resten von Erbrochenem, in Flaschen uriniert er, so dass der Eindruck entsteht, sogar der Toilettengang könnte ihm wertvolle Onlinezeit rauben.

Ich hatte im Februar schon das Jugendamt eingeschaltet, aber glauben Sie nicht, dass irgendjemand mir dort helfen wollte. Ich hatte eher das Gefühl, die Gesellschaft hat meinen Sohn schon abgeschrieben und ich muss halt noch bis zu seinem 18. Geburtstag warten und darf ihn dann auch abschreiben. Aber vielleicht kann ich ihn ja noch vor sich selbst retten, was würden sie aus ihrer Einschätzung sagen, ich denke nämlich schon, dass er onlinesüchtig ist, bzw. was kann ich tun an wen kann ich mich wenden?




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