WOW-suechtig: Vom Balkon gesprungen!
Forum, 17. Mai 2006, maennlich
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tja ich bin endlich "los" von dieser sucht,
alles begann vor 5-6 jahren als ich durch zufall an einen alten rechner von einem arbeitskollegen
gekommen bin, ja und so begann auch der absturz meines lebens und ich habe es nicht mal gemerkt.
zur gleichen zeit etwa lernte ich auch meine frau kennen, und sie nahm es einfach so hin, dass ich
immer mehr vor dem rechner saß und sprach mich auch nicht darauf an, dass ich süchtig werde, was
ich zur der zeit meiner meinung nach schön längst war (7 stunden täglich zocken).
Angefangen hat die sucht mit CS dann weiter hin zu anderen online shootern bis ich mal diablo
in die finger bekahm und immer "geiler" auf rollenspiele (singelplayer) wurde.
irgendwann vor 3 jahren saß ich abends vor dem rechner, zockte vor mich hin, als ein bericht bei
Giga über eine neues mmorpg namens Biosfear kam, wo die open betha an diesem tag noch anlaufen
würde und das ganze noch in der zeit der beta kostenlos sei, eine stunde später wars auch
schon runtergeladen, schnell char erstellt und mal reingeschaut und gleich ein paar lvl gemacht.
am nächsten tag bin ich dann darauf gekommen, dass es da auch eine lvl-rangliste gab, und so
nahm das schicksal seinen lauf...... immer höher zu steigen und die besseren items zu haben,
meine frau wurde zu der zeit auch schwanger, und ich war so in dieser welt gefesselt, dass ich
nichts mehr um mich wahrnahm und auf alles, was sie zu mir sagte, immer die antwort gab "ja
gleich, noch 100000 exp, noch schnell quest fertigmachen, usw...."
tja, da denkt man sich warscheinlich als aussenstehender selber schuld... dem ist leider nicht
so, ich habe die fragen und bitten immer nur im unterbewustsein wahrgenommen und diese
antwort gegeben ohne dass ich es selber bemerkt habe. erst als sie mich nach 1 oder 2 stunden
darauf ansprach oder als sie was auch immer selber erledigt hatte.
das schlimme an einer onlinesucht ist, dass man es nicht wirklich wahrnimmt, selbst weiss man,
dass irgendetwas schief läuft, aber was und warum will man nicht wahrhaben, und wenn einer
einem darauf anspricht - wie meine freunde oder auch schon manchmal meine frau - lachte man nur
darüber, und ich dachte mir "naja, die wissen nicht wie das so ist, wenn man zockt".
so vergingen einige monate bis meine tochter zur welt kam. am anfang ging ja alles gut,
ich spielte weniger, aber leider schon nach kurzer zeit verfiel ich wieder zurück
und diesmal wurde es schlimmer und schlimmer.
da ich mich um meine tochter kümmerte, fiel ich immer weiter auf der rangliste und irgendwann
kümmerte ich mich immer weniger um meine familie und saß immer mehr vor dem rechner - bis ich
irgendwann vor lauter gier und sucht weiter vorne in der rangliste stand und in dem game einen
cheat entwikelte.
2wochen später BANN! zur gleichen zeit zogen wir auch in unsere neue wohnung und alles
normalisierte sich wieder. ich hatte wieder mehr kontakt mit meinen freunden und beschäftigte
mich auch wieder mit meiner familie - bis einen monat später ich einen beta acc von wow bekam
und hin und wieder spielte - also wirklich mit maßen (5 stunden in der woche).
als die betha vorbei war, hatte ich ja schon erfahrung im game und wollte mal wieder hoch
hinaus und überall als erster sein bzw auch alles als erster haben.
so verging ein jahr und meine ehe ging langsam in die brüche, arbeitslos, wenig geld,
kaum aussichten auf arbeit (war im winter und als bauarbeiter hat mans halt schwer, was zu finden).
tja, so saß ich tag für tag und nacht um nacht vor der kiste und zockte meine fammilie zu tode
bis einen monat vor weihnachten, wo mir meine frau die scheidungspapiere vor die nase hielt.
ich konnte sie noch dazu überreden, das ganze abzuwarten und nur eine vorübergehende trennung
zu machen, denn ich sah ein, dass so manches mit mir schief lief...
tja, leider hatte sie dann ihre meinug geändert und holte die scheidungspapiere einen tag
nach weihnachten aus der lade ... 16. februar scheidung, eine welt zerbrach.
depressionen, alkohol, WOW. so vergingen 3 monate. 8 stunden arbeiten, 4 stunden schlafen,
12 stunden online. an einen schönen morgen wars dann soweit. ich habs eingesehen, so kanns
nicht weitergehen, und es kamen immer schwerere gewissensbisse und die sehnsucht nach meiner
frau wuchs ins unendliche. von den schuldgefühlen will ich garnicht erst anfangen ...
also es war wirklich alles psychisch im arsch, wenn ich das mal so nennen darf.
ich stand am balkon und wollte nichts mehr vom leben wissen, also sprang ich.
als ich wieder zu mir kam, tat mir zwar einiges weh, aber ich hatte keine verletzung.
benommen ging ich wieder in die wohnung und begann nachzudenken, 1000 fragen 0 antworten.
so saß ich sicherlich 10 stunden oder noch mehr, bis irgendwann nur noch eine frage in meinem
kopf herumgeisterte: "Soll das alles sein, was mein leben ist?" und dann kam es mir:
ICH BIN SÜCHTIG. alles war auf einmal so klar wie nie zuvor, ich konnte mich selber nicht
fassen, wie ich mich nur wegen einem solchen spiel fast getötet hätte. tja, das leben kann nur
schön sein, wenn man selber drinnen steht und nicht mit einem charakter. über ein item
oder ein lvlup freut man sich nur 1min, aber über schöne erinnerungen - sei es an schöne momente
zu zweit. oder eine geile feier und all die sachen, was ich zuvor erlebt habe,
ja über die freu ich mich jetzt ein leben lang.
so kann ich euch, die ihr diese traurige geschichte lest, nur den rat geben: macht was aus eurem
leben! es gibt so viele sachen auf dieser welt, von denen ihr keine ahnung habt, aber ich
verspreche euch, dass da einige für euch dabei sind, wo ihr dann denkt "wie viel zeit hab
ich nur mit diesem spiel verbracht, wo ich doch die ganze zeit dieses oder jenes machen hätte
können"
LG xyz
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