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Onlinesuechtig: Ich lebe nur noch im Netz!

Forum, 24. Mai 2006, maennlich

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Hallo
Jetzt wo ich das schreibe, ist mal wieder fast 2.30 h nachts und wieder hab ich stundenlang vor der Kiste gesessen. ich glaube ich habe mit dem PC auch ernsthafte Probleme.

Ich bin 24 Jahre alt und auf mich trifft eigentlich wohl so ziemlich alles zu, was auf Online-/ Spielsüchtige zutrifft. Ich habe eine Wirbelsäulenkrankheit (Skoliose), die mich schwer zeichnet und bin eben auch so nicht sonderlich hübsch. Ich hatte eine 4jährige Beziehung, die vor 2 Jahren in die Brüche ging, auch teilweise mit wegen meiner PC-Zeiten, die aber damals noch bei weitem nicht so ausufernd waren wie heute. Aber schon damals hatte ich Probleme mit der Zeiteinteilung usw.

Als die Beziehung dann ziemlich unschön in die Brüche ging, fiel ich erst mal in ein ziemliches Loch, eben weil ich seit ich denken kann eh schon immer ein Outsiderleben habe. Und die einzige Beziehung, die ich dann bis eben dann hatte, hab ich "erfolgreich" in den Sand gsetzt. Ich muss dazu sagen, daß es bei uns damals auch schon sexuelle Probleme gab, daß sie aus religiösen Gründen sich sehr sperrte. Es kam also quasi zu fast nichts und in dieser Zeit begann dann auch- natürlich hinter ihrem Rücken- meine Gänge auf diverse Sexseiten, CS usw, ich hab wohl in dem Bereich fast nix ausgelassen. Zeitgleich natürlich mit der Trennung kam dann die ziemlich starke soziale Isolierung, ich hatte bzw. habe bis heute eigentlich keinen richtigen wirklich großen Freundeskreis. VIelleicht 2 oder 3, mit denen ich mit gut versteh und was mache, aber wirklich tiefe Freundschaften sind bei mir eher sehr wenig.

Beruflich studiere ich im Moment... bzw. sollt ich das. Ich bin zwar kurz vorm Examen, bin aber schon gnadenlos über die Regelstudienzeit drüber, weil ich einfach keinen "Zug" mehr im Arbeiten habe. Ich versuch mir mit Notlügen klar zu machen, andere brauchen ja auch so lang, es gab organisatorische Probleme usw. Im Juni habe ich den ersten Teil meines Examens, hab bis jetzt kaum was gemacht und fahre mit Vollgas dem Abgrund entgegen. Äußerlich lass ich mich immer mehr gehn und ekele mich fast selber schon an. Es ist so drastisch, daß ich teilsweise 12-14 Stunden nonstop am Comuputer bin, eine Kleinigkeit esse, dann schlafen geh.

Es kommt immer wieder vor, daß ich einen Tag lang, wenn ich keine Uni hab und zuhause bin, über den Schlafanzug nur irgendwas schlabbermäßiges drüberziehe und dann wieder direkt vor die Kiste gehe, ohne auch schon mal zu duschen, Zähne zu putzen usw. Uni-Arbeiten fallen tagelang flach, Fehlzeiten in Vorlesungen, Termindruck, Stress. Den Erfolg den ich hier auf der Uni und durch mein Aussehen nicht bei der Damenwelt habe, hole ich mir am PC. Ich surfe auf Sexseiten.

Ich hab mir letzte Woche drei neue Computerspiele gekauft (FIFA Manager, Anno 1503, Hidden & Dangerous2); das erste spielte ich von 18h abends bis 5 morgens fast nonstop durch, z wei Tage hintereinander. Ich hab das Geld eigentlich nicht mal für Spiele. Durch mein langes Studium muss ich im Juni 600 Euro Gebühren bezahlen. Ich hab zwar einen kleinen Job, aber es reicht vorne und hinten nicht.

Meine Eltern, bei denen ich noch wohne, unterstützen mich. Vor allem mein Vater versucht wo es nur geht, mir mein Rücken frei zu halten, damit ich im "Studium" voran käme. Er weiß natürlich nicht, wie es bei mir aussieht. Wenn ich morgens nach 2 oder 3 Stunden Schlaf total fertig bin, kommt schon mal eine Notlüge, dass ich wieder bis spät in die Nacht für die Uni gearbeitet hätte. Meine Etage, auf der ich hier wohne im Haus meiner Eltern, habe ich teilweise wochenlang net sauber gemacht. Heute hat er es gemaacht, weil wir morgen Gäste kriegen. Er putzte die Etage und ich war mal wieder wo? Genau, am PC.

Es ist alles so ein beschissen großer Teufelskreis. Ich versage im Moment im Reallife auf voller Länge und versuch mir am PC das zu holen, was ich nicht kriege. Aber wenn ich im Juni die Prüfung vergeige, dann ist das der nächste traurige Höhepunkt, nachdem diese Sucht (?) eben schon mit Schuld war an dem Auseinandergehen meiner letzten Beziehung.

Ich weiß auch, daß ich mir massiv körperlich schade. Nicht nur für meinen Rücken, für den das stundenlange Sitzen Gift ist. Normal bin ich recht sportlich, fahre Skates, Mountainbike und Ski, wandere gern, bin Naturfan. Aber die letzt Zeit ist das alles eher nur aus der "Fensterperspektive" für mich zu sehen, weil ich neben der Uni wenn ich hin muss, kaum noch raus gehe.

Ich weiß einfach nicht wie das mit mir weitergeht. Ich mach mir immer wieder vor: morgen faengst du an zu lernen, morgen arbeitet du richtig, ab morgen achtest du drauf. Selbst wenn ich spiele, bescheiß ich mich im Stundentakt: Um 2 Uhr geh ish schlafen... und wenns dann kurz nach 2 ist, kann ich ja bis um 3 machen. Aber morgen fang ich dann ganz sicher an... So diese Masche eben.

Es kommt bei mir so unglaublich viel zusammen... Die Krankheitssachen, die mich eigentlich behindern, je einen normalen Zugang zum anderen Geschlecht zu haben. Der Druck auf der Uni, meine Eltern labern mich immer wieder mit ihrem Hobby zu, was mich 0 interessiert und total nervt und aggressiv macht, sie fetzen sich auch oft genug. Meine beiden Eltern sind irgendwie total die krassen Typen. Meine Mutter ein wandelndens Nervenwrack, mein Vater ist so ein Hardcore-Christ (war ich auch mal...).

Alle die jetzt meinen das hier ist ein Scherz was ich geschrieben habe: nein ist es nicht. Ich weiß nicht, was ich darüber im Moment denken soll und was ich machen soll. Es kommt mir irgendwie wie ein Albtraum vor, als wär das garnicht wahr, was ich da täglich "ablebe".

mfg
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